North of where I´m now






Die neuen Songs




Screenshots von der DVD




Die Texte





Diashow vom Fotoshooting


Rezension "North of where I´m now"


Wieviel Gänsehaut paßt auf einen Silberling? Am besten mal in Osnabrück nachfragen. Dort sind Artistic Sound die anerkannten Experten für hingeflüsterte Atmosphäre, in Zeitlupe gegossene Rhythmen und Flächen, die einem die Bauchdecke circa zwei Meter weiter hinten vermuten lassen. Und während man anderswo noch dem vermeintlichen Erfolgsrezept von Tina von Garrel und Streetman hinterher fahndet, schockieren uns die beiden mit der Ankündigung, dass „North of where I´m now“ ihr letztes Album sein soll. Was für ein Verlust.

 


Mit "North of where I´m now“ gibt es vielleicht Antworten. Und wie noch jedes Mal verwirren sie anfangs eher, als daß sie befriedigen. Schon die Geschichte über eine Frau namens Rose, die reflektierten Funksprüche, die zickigen Beat-Schmatzer, das kaum vernehmbare Funkeln der Elektronik - der Opener "Scars" dreht so manche Schlaufe in die Erwartungshaltung. Aber spätestens das dritte Ohr verrät: Auch diese Tracks haben es in sich. Dieses "es" steht diesmal vor allem eine völlig abgedunkelte Elektronik. Noch mehr als sonst leuchtet aus bedrohlichen Schleichern wie "I am" maximal Schwarzlicht.


Passend dazu gibt sich Mastermind Streetman nur einmal die Ehre. Der Elektronikkracher "The thousand words" wirkt nur anfangs ein wenig steril, bis sich die stoischen Beats und singenden Streicher endlich umarmen können. Im klagenden "The walk of denial" schwebt Tina von Garrel über verhalltem Feedback. "In Vain" entpuppt sich als anklagendes Gitarrenstück mit Synthieeinflüssen. "Silence", fleht Tina´s bedrückende Stimme. Das sind Tränen, die nicht nur virtuell fallen. In "In Love" mollt die digitale Gerätschaft ein sanftmütiges Netz zusammen, ehe man im mittleren Teil des Songs ordentlich auf die Ohren bekommt. Und Tina´s vibrierende Stimme implantiert Seele in die statisch aufgeladene Luft.


Der Glanz unter den manchmal so glatt und unterkühlt wirkenden Oberflächen erschließt sich jedoch auf "North of where I´m now" nur zögerlich. Die einstige zerbrechliche Eleganz scheint einer stoischen, gefühllosen Kälte gewichen. Songwriting muss sich halt entwickeln. Deshalb vielleicht auch die Aussage auf der beigelegten DVD, dass aus einem Doppelalbum ein einzelner Rohling wurde. Zweifel machen sich breit. Und doch gibt das letzte Album eine unvermutete Antwort: "Dieses Album handelt davon, daß Menschen ihre Gefühle verbergen und abschotten, und davon, daß es trotzdem immer einen Weg gibt, an sie heran zu kommen. Man muß nur wissen, wie man das Schloß aufbekommt und sich mit ihnen beschäftigen." Plötzlich gibt alles einen Sinn. Artistic Sound halten den Schlüssel fest in der Hand. Noch immer.


Bewertung der Redaktion: 7 von 10 Punkten

Oliver Ding


Rezension "North of where I´m now"


Glanzvoll dem Ende entgegen!

Unangepasstheit führt oft die Karriereleiter nicht nach oben, aber spricht für die eigene Klasse, die Artistic Sound auch auf ihrem letzten Werk “North of where I’m now” vermitteln, das meines Dafürhaltens nach die Osnabrücker Tina von Garrel & Streetman auf ihrem Zenit zeigt.

Artistic Sound sprechen selbst von einer New Romantic Offensive, welche anspruchsvollen Pop zutage fördert, der Mehrheiten zu komplex und eigensinnig sein dürfte, weshalb “North of where I’m now” wie vorangegangene Werke im Eigenvertrieb erscheint – Schade, aber sofort wenn Individualität ins Spiel kommt, sind Labels oft verschreckt, denen es durch die Bank nur noch um Gewinnmaximierung geht, wodurch sie sämtlichen Idealismus und Kunstgedanken mit Füßen treten.

Leider schleicht im deutschsprachigen Pop die inhaltliche Niveaulosigkeit umher, weshalb zwischenmenschliche Probleme und Gefühlsduseleien im Vordergrund stehen, obwohl auf der Welt wesentlich wichtigere Probleme existieren, welcher sich Artistic Sound mit Kindesmissbrauch, Vergewaltigung usw. annahmen, aber auch Liebe, Verlust & Trauer kommen in ihren Texten vor, bloß nicht in kitschiger Plattheit, sondern in Form von berührenden Texten wie der Hintergrundgeschichte zu “North of where I’m now”.

Wer nach anspruchsvollen Themen mit Tiefgang verlangt, wird Artistic Sound vermissen, deren Inhalte auch auf ihrem letzten Oeuvre “North of when I’m now” vollends zu überzeugen wissen!

In Punkto Tonkunst zelebrieren Artistic Sound melancholischen Electro-Pop, der über komplexe Strukturen verfügt und vor allem durch die charismatische Stimme von Tina von Garrel lebt, die von ihrer Klangfarbe her sehr rau, dunkel wie kraftvoll klingt, das den einzelnen Liedern viel Ausdruckskraft, Tiefe und Nachdruck verleiht. Zudem glänzen alle Songs durch vielschichtige Arrangements, wo die Osnabrücker einen melodiösen Mix aus synthetischen und organischen Spuren erstellten, welche zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lassen, sondern formidables Kopfkino auslösen, das nachhaltig zum Denken anregt, wenn sie/ er sich Artistic Sound wirklich hingibt. Insgesamt eine durchweg gelungene Veröffentlichung, wovon man sich faktisch mehr wünscht, aber absolute Eigenständigkeit ist nicht angesagt, weshalb sie immer mehr verschwindet und wir irgendwann komplett in Chartmüll ertrinken!

Auch nach dem x-ten Hördurchlauf konnte ich mich auf keinen expliziten Anspieltipp festlegen, den alle Tondokumente auf “North of where I’m now” mögen auf ihre Art & Weise mitnehmen & begeistern – eine wahnsinnige Leistung!

Fazit:

Schade, dass sich Artistic Sound mit “North of where I’m now” von der Bildfläche verabschieden, den mit diesem Meisterwerk wähnen sich Tina von Garrel und Streetman auf dem Zenit – meine absolute Empfehlung! PS: Bleibt zu hoffen, dass sich das Duo schnell zu einer Reunion entschließt!

Raphael Feldmann (Kulturterrorismus)