Magazin "Blue"
Artistic Sound – mehr als nur kunstvolle Klänge
Unkraut wuchert über dem gepflasterten Weg, eingeworfene Fenster und verrosteter Stahl weisen darauf hin, dass dieses Gelände schon einmal bessere Zeiten gesehen hat und doch verspricht das alte Gebäude mehr als nur Schutz vor den grauen Wolken am Himmel, welche das ehemalige Bahngelände überschatten. Hinter der kargen Fassade verbergen sich nämlich zahlreiche Proberäume. In einem davon ist das neue Studio von streetman4u untergebracht, wo die Band Artistic Sound derzeit ihre neueste CD fertigstellt - doch dazu später mehr.
Artistic Sound ist eine ungewöhnliche Band und das gleich in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal fängt es damit an, dass die Band lediglich aus zwei Mitgliedern besteht: Streetman (Gesang, Keyboards, Programming) und Tina von Garrel (Gesang, Gitarre). Die beiden haben sich vor acht Jahren getroffen und sind seit dem ein musikalisches Duo. Doch sind zwei Mitglieder überhaupt eine Band? „Das ist kürzer so, als ständig den Leuten erklären zu müssen, was wir denn genau sind.“, meint Streetman.
Tatsächlich scheiden sich die Geister daran, ob eine Band mindestens zwei oder drei Mitglieder haben muss, um als solche zu gelten. Für die Beiden ist, davon einmal abgesehen, Artistic Sound ein Projekt in dem jede Menge Herzblut steckt und es vor allen um Eines geht: die Musik. Der Rest ist Nebensache. Doch so ungewöhnlich wie ihre Zusammenstellung so ungewöhnlich ist auch ihre Musik. Der Stil lässt sich nur schwer fassen: düster angehaucht, teilweise rockig, Popregionen berührt, ruhig, elektronisch – all das mag zutreffen und trifft es dennoch nicht vollständig, es ist jedoch allemal ein „kunstvoller Klang“.
Artistic Sound lässt sich musikalisch nicht einordnen und das ist auch so gewollt. „Ich habe mich für den Namen Artistic Sound entschieden, um relativ frei sein in der Gestaltung der Musik.“, erklärt Streetman, welcher das Projekt gründete. Was ihre Songs betrifft so sind diese keine musikalischen Quickies. Wer es schnell mag, ist bei Artistic Sound falsch. Sich Zeit für ihre Werke zu nehmen ist nicht nur erwünscht, sondern auch bitternötig, um sie richtig zu verstehen und zu verdauen. „Bei einem Problem kannst du dir entweder eine Kiste Bier nehmen oder dich mit dem Problem auseinandersetzen. So ist es auch mit unserer Musik.“, führt Streetman aus und Tina charakterisiert Streetmans gestalterische Art knapp mit einem Lächeln: „Er macht Filmmusik.“.
Tatsächlich sind einige Songs regelrechtes Kopfkino und wie bei bekannten, abgedrehten Filmen kommt das Ende, welches alles erst auflöst und richtig stellt erst ganz zum Schluss. Songs mit mindestens acht Minuten Länge sind dabei keine Seltenheit bei den Beiden, was es für Artistic Sound bisher auch schwierig machte ein passendes Label für ihre Bedürfnisse und Vorstellungen zu finden.
Streetman widmet sich bereits seit 1989 der Musik. Damals war sein erstes Projekt „February Productions“. 1997 sang er in der Band „Rifffactory“, bevor er vor acht Jahren Artistic Sound ins Leben rief und auch Tina kennenlernte. Diese lieh nach anfänglichem Zweifel ihre ergreifend raue Stimme erst 2001 dem Projekt auf der CD „One Night Stand“, gehört aber inzwischen fest mit zum Team. Sie selbst lernte Geige, Klavier und Gitarre sowieso Gesang bereits ab 1985 und absolvierte ihre ersten Schritte 1998 in der Band „Karin geht Baden“ gefolgt von „Jailed Generation“.
Seid vier Jahren ist die studierte Osnabrückerin jedoch auch erfolgreich mit ihrem Soloprojekt „2aT“ unterwegs und gewann erst kürzlich bei der Osnabrücker Straßenmusikfestival „Die Goldenen Säge“ den Preis für den besten Soloact. Streetman ist stolz auf Tinas Leistungen und bezeichnet sie als „großen Gewinn“ für das Projekt. Gerne würden die Beiden auch einmal Live auftreten, doch dies sei bisher noch nicht möglich gewesen wie Tina berichtet: „Wir sind musikalisch relativ ruhig und keine Rockband, da sind aufwendige und kostspielige Lichteffekte notwendig, um mit unserer Musik richtig rüber zu kommen.“
Derzeit freuen sich Streetman und Tina auf ihre neue CD „5“, welche sie als Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens ansehen. Der Name ist schnell erklärt: Es handelt sich um die fünfte CD seit Tina dabei ist und wieder einmal steht die Musik und nicht etwa ein Cover oder ein ausgefallener Titel im Vordergrund.
Wer jedoch nicht bis zum 12. Dezember, an dem die neue CD endlich erscheint, warten möchte, kann sich nun schon ihren brandneuen Song „Berlin“ bei der OScommunity in der Gruppe „Artistic Sound“ anhören.

